Die SP im Zürcher Weinland im Bezirk Andelfingen hat nicht immer einen leichten Stand. Trotz einem hohen bürgerlichen Wähleranteil ist die SP präsent und bringt sich aktiv ein, bei politischen Sachgeschäften und bei Wahlen. Es gibt deshalb seit Längerem eine Kultur der Zusammenarbeit über die Sektionsgrenzen hinweg. Der Bezirksvorstand, in welchem alle vier Sektionen vertreten sind, plant, koordiniert und organisiert politische Vorstösse und Veranstaltungen für die ganze Region. Die Sektionen pflegen demgegenüber vor allem die sozialen Kontakte und organisieren Diskussionsrunden oder Gemeindeabstimmungen.
Der Entscheid des Parteitages zu einer Strukturreform kam in Andelfingen gut an obwohl es auch Bedenken gab. Wird in den Sektionen das Gefühl der „politischen Heimat“ verloren gehen? Die Organisation der Finanzen, welche in anderen Bezirken immer wieder mal zu Diskussionen Anlass gab, war in Andelfingen kein Thema. Die Zusammenarbeit über die Sektionsgrenzen hat sich auf einer Basis von Vertrauen längst bewährt. Seit Ende April bilden die vier Sektionen des Bezirks Andelfingen nun eine Bezirkspartei. Die bisherigen als Sektionen geführten Ortsparteien arbeiten weiter oder bauen Ihre Aktivitäten gar noch aus.
Ein Neumitglied und zwei alt gediente GenossInnen berichten über ihren Bezirk:
Wie hast du Andelfingen zum Zeitpunkt deines Beitritts erlebt?
Florian: Als Feuerthaler aus dem „Norden“ des Bezirks habe ich Andelfingen hauptsächlich als geografische Region wahrgenommen. Ich bin Mitglied in verschiedenen Vereinen und kenne den Bezirk deshalb mehr aus der touristischen als aus der politischen Perspektive. Zum Zeitpunkt meines Beitritts wäre ich unabhängig von meinem Wohnort wohl überall der SP beigetreten.
Elsbeth & Jürg: Die Sektion setzte sich damals mehrheitlich aus „Sozis“ nach altem Schrot und Korn zusammen. Elsbeth fühlte sich als „Stadtkind“ anfänglich etwas fremd und in die Zeit meines „linken“ Grossvaters zurückversetzt. Spontaner und lebhafter empfanden wir die von der Bezirkspartei veranstalteten Anlässe, wie den alljährlichen Bildungstag und die zweitägigen Standortbestimmungen, an welchen ganze Familien teilnahmen. Allmählich stiessen dann auch jüngere Leute dazu während sich ein Teil der älteren Semester immer mehr zurückzog.
Was versprichst du dir von der geplanten Neuorganisation?
Florian: Ich verspreche mir eine Vereinfachung der Organisation der Parteiarbeit und gesellige Parteianlässe in einem etwas grösseren Rahmen. Denn meine Präsenz an Anlässen der Ortsektion lässt sich bisher an einer Hand abzählen. Ich denke, dass es für Junge mit noch wenig Kontakten innerhalb der SP attraktiver ist, einen Bezirksanlass zu besuchen.
Elsbeth & Jürg: Wir machen uns keine Illusionen, hoffen aber, dass in der neuen den ganzen Bezirk umfassenden Sektion wieder mehr Mitglieder und besonders auch Sympathisantinnen und Sympathisanten aktiv werden. Die Arbeit in der Bezirkspartei macht Spass. Das macht die Partei attraktiv! Zudem finden wir es wichtig, dass sich mit der Neuorganisation der Administrativaufwand reduziert und wir uns deshalb mehr in der Gemeindepolitik engagieren und sichtbar werden können.
Was sind die aktuellen Herausforderungen für die SP in deinem Bezirk?
Florian: Aus meiner Sicht müsste eine starke Vertretung der SP in den Gemeindebehörden eines der wichtigsten Ziele sein. Die bürgerliche Dominanz ist keine gute Grundlage für die Bewältigung der Probleme unserer Zeit. In der Bildungspolitik sollten wir, um den aktuellen Herausforderung zu begegnen, wegweisend sein.
Elsbeth & Jürg: Wir leben in einem Kantonsteil mit vielen zum Teil kleinen Gemeinden, in welchen die SVP dominiert. Wir wollen mit einer lebendigen Politik Unschlüssige erreichen und bisher Passive aufrütteln.
Was braucht die SP um für Neumitglieder attraktiv zu sein?
Florian: Um für junge Neumitglieder attraktiv zu sein, braucht die SP eigentlich genau das, was sie sucht: viele junge Neumitglieder. Wir Junge müssen einfach zusammenfinden und uns zeigen – ich bin dabei.
Elsbeth & Jürg: Wir wünschen uns, dass wir mit einer lebendigen, lustvollen Politik und einer stärkeren Präsenz in den Gemeinden jüngere Leute ansprechen und gewinnen können.
![]() |
| Florian Schmid (1985, Sekundarlehrer, SP Mitglied seit 2008, Sektion Feuerthalen) |
![]() |
| Elsbeth Keller (1942. Schulpsychologin im «Unruhestand», SP-Mitglied seit 1984, Sektion Andelfingen) |
![]() |
| Jürg Keller (1941, pens. Reallehrer, SP-Mitglied seit 1976, Sektion Andelfingen) |